Was bedeutet „Gehirnerschütterung“?
Eine Gehirnerschütterung ist buchstäblich eine Erschütterung des Gehirns im Kopf. Dies geschieht durch eine Kraft, die von außen auf den Kopf einwirkt. Das kann ein Sturz sein, ein Schlag oder ein Anschlagen des Kopfes. Dabei gerät das Gehirn im Kopf in Bewegung und schlägt gegen den Schädelknochen. Medizinsch wird dies als „Schädel-Hirn-Trauma“ oder kurz SHT bezeichnet. Die Gehirnerschütterung ist die leichteste Form des Schädel-Hirn-Traumas.
Symptome einer Gehirnerschütterung:
Bei einer Gehirnerschütterung denken die meisten Menschen an Bewusstlosigkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen. Das ist korrekt, allerdings nicht alles:
– Die Symptome einer Gehirnerschütterung müssen nicht direkt auftreten. Vor dem Auftreten der Symptome kann es eine Verzögerung von mehreren Stunden bis zu zwei Tagen geben.
– Die möglichen Symptome einer Gehirnerschütterung sind vielfältig. Die Art und Anzahl der Symptome können sich von Person zu Person unterscheiden. Neben Bewusstlosigkeit, Kopfschmerzen und Erbrechen sind typische Anzeichen Verwirrtheit, Gedächtnislücken, Sehstörungen, Benommenheitsgefühle, Überempfindlichkeit für Licht oder Geräusche. Auch Müdigkeit, Reizbarkeit oder Konzentrationsprobleme können Anzeichen einer Gehirnerschütterung sein.
Wie geht es nach der Gehirnerschütterung weiter?
Direkt nach dem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) ist der Schutz des Gehirns vor weiteren Verletzungen am wichtigsten. Die betroffene Person sollte nicht in eine Situation zurückkehren, in der ein weiteres SHT möglich ist, z.B. einen sportlichen Wettbewerb.
Bei ausgeprägten Beschwerden wie Bewusstlosigkeit, zunehmenden Kopfschmerzen oder Verwirrtheit sollte die Person im Krankenhaus vorgestellt werden. Dort kann ein Bild vom Gehirn gemacht werden („CT“) um eine Blutung oder Hirnschwellung zu erkennen und die Person kann medizinisch überwacht werden.
In den ersten ein bis zwei Tagen nach einem leichten SHT sollte körperlich und geistig Ruhe gehalten werden. Danach sind in den meisten Fällen leichte Anstrengungen (Spazierengehen, einzelne Tätigkeiten im Haushalt) möglich, die langsam gesteigert werden können. Der Verzicht auf Alkohol/Drogen unterstützt das Gehirn bei der Erholung. Die meisten Betroffenen sind nach ca. 2 Wochen beschwerdefrei.
Und wenn es länger dauert?
Manchmal dauert es länger bis die Beschwerden eines SHTs sich wieder zurückbilden. Man spricht von einem „postkommotionellen Syndrom“. Dieses kann mehrere Wochen oder sogar Monate anhalten.
Wann wieder zum Sport?
Das lässt sich nur im Einzelfall beantworten. Es empfiehlt sich zu warten bis die betroffene Person beschwerdefrei ist und dann langsam wieder einzusteigen. Gerade zu Beginn sollte auf eine größtmögliche Schonung des Kopfes geachtet werden (besser Ergometertraing als Laufband, besser Passtraining als Kopfballtraining).
Auf die individuelle Situation zugeschnittene Return-to-Play- bzw. Return-To-Competition-Protokolle helfen beim Wiedereinstieg und minimieren die Gefahr von Überforderung.
Was bedeutet „erworbene Hirnschädigung“?
Eine erworbene Hirnschädigung entsteht zu irgendeinem Zeitpunkt nach der Geburt. Der Betroffene und seine Umgebung kennen ein Leben ohne Einschränkungen. Die Hirnschädigung teilt das Leben in ein „Vorher“ und ein „Nachher“. Dieser Bruch im Leben macht den Umgang mit den Folgen einer erworbenen Hirnschädigungen schwer. Sowohl für die betroffene Person, als auch für (pflegende) Angehörigen und das soziale Umfeld.
Wie entsteht eine erworbene Hirnschädigung:
Eine erworbene Hirnschädigung kann auf vielfältige Weise entstehen. Häufig ist sie die Folge einer Gehirnerschütterung, einer Hirnblutung oder eines Schlaganfalls. Auch Infektionen des Gehirns oder der Hirnhäute kommen als Ursache infrage. In anderen Fällen führt ein Sauerstoffmangel – etwa nach einem Beinahe-Ertrinken oder einem Herzstillstand – zu einer Schädigung des Gehirns. Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Morbus Parkinson oder Demenz führen zu einem Abbau von Gewebe im Gehirn. Auch Vergiftungen sowie der Konsum von Alkohol, Drogen oder Lösungsmitteln können bleibende Schäden verursachen.
Jedes Jahr erleiden mehrere Tausend Menschen in Deutschland eine erworbene Hirnschädigung. Mehr als eine Million Menschen in Deutschland leben dauerhaft mit den Folgen einer erworbenen Hirnschädigung. Fachkundige Unterstützung für Betroffene und Angehörige ist von zentraler Bedeutung.
Auswirkungen einer erworbenen Hirnschädigung:
Die Auswirkungen einer erworbenen Hirnschädigung unterscheiden sich von Person zu Person. Sie hängen von verschiedenen Faktoren ab: Was ist die Ursache der Hirnschädigung? Wie schwerwiegend war die Schädigung? Wo im Gehirn ist die Schädigung? Die meisten Betroffenen leiden nach der Hirnschädigung unter mindestens einer der folgenden Einschränkung, oft sind es auch mehrere:
- körperliche Einschränkungen wie Lähmungen, verlangsamte oder unkoordinierte Bewegungen oder Einschränkungen des Sehens
- kognitive Einschränkungen wie Konzentrationsprobleme, Einschränkungen des Gedächtnisses oder Schwierigkeiten beim Planen und Organisieren von Aufgaben
- emotionale oder Verhaltensveränderungen wie Stimmungsschwankungen, Reizüberflutung, Depressivität, enthemmtes Reden oder Essen
- soziale Folgen wie Einsamkeit durch unangemessenes Verhalten oder Vernachlässigung der persönlichen Hygiene
Diese Einschränkungen sind lediglich Beispiele. Es gibt viele andere Beeinträchtigungen, die auf den Betroffenen und sein Umfeld Einfluss haben können.
Oftmals sind die Folgen einer Hirnschädigung von außen nicht sichtbar. Das erschwert den Umgang mit diesen Folgen, da andere Menschen die unsichtbaren Einschränkungen nicht wahrnehmen (können). Doch unsichtbare Folgen können genauso schwerwiegend sein wie sichtbare. Deshalb braucht es auch für unsichtbare Folgen angemessene Hilfe und Unterstützung – sowohl für die betroffene Person, als auch für die Menschen im Umfeld. Dafür gibt es Neuro-Atarassie. Hier finden Sie als Angehörige und Angehöriger fachkundige, alltagspraktische Unterstützung bei allen Fragen rundum erworbene Hirnschädigung.

Dr. Anna-Katharina Burrack
Neuro-Atarassie